Shalanas rezidivierenden Koliken – verursacht durch einen subluxierten Lendenwirbel

Es war Liebe auf den ersten Blick: Sabine aus Neuenstein kam, sah und kaufte Shalana, die hübsche Araberstute, die am Ende der Weidesaison recht gut aussah. Shalana kam allerdings erst im Dezember des Jahres 2010 in ihren neuen Stall. Im Dezember sah sie dann nicht mehr so schön aus und man fragte sich, was denn da für ein abgemagertes Pferd in den Stall gekommen ist.

Nun Sabine sollte schon bald die Antwort auf diese Frage erhalten: Shalana gehört zu den kranken Sorgenmachern mit rezidivierenden Koliken. Shalana war noch keine Woche im Stall, als sie allgemeines Unwohlsein zeigte, sie fraß nicht das vorzügliche und fehlerlose Futter des Stalles, sie war erschöpft und lag tagsüber viel in der Boxe, vor allem nach dem Freigang mit der Herde. Kleine Futtermengen bekam sie handweise angeboten, Spezialfutter und hochwertige Öle, damit sie endlich zunehmen würde. Alles ohne Erfolg.

Am 1. Weihnachtstag 2010 wurde dann der Tierarzt wegen Kolik gerufen. Er behandelte sie mit Buscopan und sonstigen „geläufigen“ Kolikmitteln. Es ging ihr besser, schlechter, besser, schlechter… Der Tierarzt vermutete ein Magengeschwür, wollte aber die teure Behandlung mit dem Gastro-Guard nicht einleiten ohne Gastroskopie. Außerdem wurde ein Klinikaufenthalt am 11. Januar 2011 dringlich.

Es folgten die üblichen rektalen Untersuchungen, Intravenöse Medikation, Gastroskopie, Zahnbehandlungen und gynäkologische Untersuchungen. Die Magenschleimhaut war im gesunden guten Zustand, die Zähne waren ohne Befund und somit auch nicht schuld an der Appetitlosigkeit, die Gynäkologie ergab auch keinen Befund. Alles war o.k., aber Shalana war krank. Zum Abschied erhielt sie noch eine Paraffin-Lösung als Einlauf und wurde am 15. Januar 2011 aus der Klinik entlassen.

Zu Hause lag sie viel, fraß nicht, hatte ein Schmerzgesicht. Sabine bewegte sie täglich, danach war sie erschöpft, ohne richtig gearbeitet zu haben. Da ich auf dem Hof regelmäßig ein- und ausgehe, beobachtete ich die kleine tapfere Stute schon länger. Bevor sie in die Klinik kam, behandelte ich sie einmal auf Rückenschmerzen, weil sie ziemlich steif lief. Ich behandelte ihren subluxierten 18. Brustwirbel und den 1. Lendenwirbel. Als homöopathische Unterstützung erhielt sie Rhus tox mit Procain. Trotzdem ging es ihr nicht wesentlich besser. Dann eben kam sie wie beschrieben in die Klinik.

Am 17. Januar rief man mich an, ob ich nicht zu Shalana kommen könne, da sie wieder kolikt. Er konnte die Besitzerin nicht erreichen um mit ihr einen erneuten Transport in die Klinik zu veranlassen. Außerdem war Shalana gar nicht mehr transportfähig; sie stand freiwillig nicht mehr auf und sah sehr schlecht aus. Es wurde bezweifelt, ob ein erneuter Klinikaufenthalt etwas bringen könnte, da man sowieso keinen Grund für die Koliken gefunden hatte. Die Besitzerin lag nun im Streit mit dem Verkäufer.

Koliken entstehen durch erhöhte Peristaltik der Eingeweide, was dann zu schmerzendem tonischen Dauerkrampf führt. Die Folgen einer Krampfkolik können folgende Kolikformen nach sich ziehen: eine Obstipation (Verstopfung), eine Torsion (Drehung) des Gekröses, eine Invagination (Einstülpung eines Hohlorgans) oder eine Inkarzeration (z.B. Milz-Nierenband-Inkarzeration), wobei Teile der Eingeweide im Bruchsack eingeklemmt werden und ohne OP absterben. Diese Dinge nur zur Information, weil eine Tierheilpraktikerin nicht erkennen kann, welche Art Kolik nun vorliegt. Ich kann aber energetisch abtesten, wo die Blockade sitzt und welche Akupunkturpunkte in Frage kommen!

Shalana lag mit kalten Ohren und schwachem Puls in der Box. Sie war zu erschöpft um aufzustehen. Wo fängt man bei einem liegenden Pferd an?

Am Yin-Yang-Ausgleich GG1 (Tip of Tail) und dem GG26, was die Lebensenergie Qi und Blut der 12 Hauptmeridiane reguliert (Notfallpunkte!). Untersuchungen an Hunden und Katzen ergaben, dass diese beiden Punkte die Todesrate nach Unfallschock drastisch senken könnnen. Damit hatte ich den Sondermeridian Du Mai angesprochen, der vor allem anzuwenden ist bei Steifheit der Glieder und bei Magen-Darm-Beschwerden: das Qi kann bei Erkrankung nicht in den Organen gehalten werden und das verursacht Schmerzen im Unterbauch. Sondermeridiane werden eingesetzt, wenn chronische Krankheiten vorliegen. Sie sind zuständig für multikausale Prozesse und kräftigen den kranken Körper. Danach stand Shalana auf. Nun konnte ich den Magen-Meridian nadeln mit Zustimmungs- und Alarm-Punkt um den Magen zu stärken. Mit Dü 3 und Bl 62 löst man Spasmen und Shalana kaute zufrieden ab. Dann nadelte ich die Stoffwechsel-Ausgleichs-Achse nach Dr. Rösti, fügte dem noch Ma 40 und Ma 36 hinzu (wichtige Punkte bei Magenkolik des Pferdes).

Da der Dünndarm zur Diagnostk und Untersuchung nur schwer zugänglich ist und schwere Koliken aus diesem Bereich bekannt sind, war meine Überlegung, ob eventuell eine Erkrankung des Dünndarms vorliegen könnte. Da Shalana nun stand, konnte ich feststellen, dass ihr 3. Lendenwirbel blockiert war. Dieser Wirbel steht für Störungen im Übergang von Dünndarm in den Dickdarm und verursacht Darmprobleme und Kolik. Sabine waren bereits die extrem kleinen und festen Kotballen aufgefallen. Ich korrigierte also den 3. Lendenwirbel und testete ReVet-Produkte aus mit Bezug zu Magen-Darm-Entzündungen, Dünndarm-Entzündungen, Darmbeschwerden, Spannungen des vegetativen Nervensystems und schmerzhafter Stuhl- und Harndrang. Dazu wurde ein Leber-Mittel gegeben und Nux Homaccord würde noch Leber, Magen- und Darm-Entzündungen unterstützen.

Einige Stunden nach der Akupunktur wurde mir am Telefon berichtet, Shalana fresse nun und es gehe ihr erstaunlich gut.

Über einen längeren Zeitraum bekam Shalana regelmäßig die verordneten homöopathischen Mittel, bis sie langsam reduziert werden konnten. Herr Stirn gab ihr noch eine außerterminliche Wurmkur. Sie erhielt regelmäßig Mash als Krankenkost mit hochwertigen Ölen, bis auch diese Mittel allmählich abgesetzt werden konnten.

Die kleine Araberin hat seit einem Jahr nicht mehr gekolikt, wird regelmäßig geritten, erwartet zur Futterzeit wie jedes andere gesunde Pferd ungeduldig ihr Kraftfutter; sie hat ein wunderbar glänzendes Fell und zeigt keine Zeichen der Erschöpfung. Ihre Kotballen waren etwa 4 Wochen nach der Behandlung nicht mehr fest und trocken, sondern normal durchsaftet und normal groß.

Was lernen wir daraus? Niemals die Hoffnung aufgeben, selbst wenn die sichtbaren Symptome nicht viel Erfolg verheißen…