Übersäuerung ist ein vielfaches Problem
Die Verdauung beginnt beim Pferd – so wie beim Menschen – im Maul, die sog. Kopfdarmverdauung. Die Ohrspeicheldrüse, die Speicheldrüsen im Unterkiefer und viele andere kleine Drüsen produzieren den Speichel. Dieser Speichel enthält Bicarbonat, damit die starke Magensäure abgepuffert werden kann. Daher ist ein gutes Kauen und Einspeicheln der erste Schritt zu einer gesunden Verdauung, einem gesunden Magen und gesundem Darmmilieu. Je rauer das Futter (Heu), desto mehr Bicarbonat wird zur Pufferung der Magensäure gebildet. Viel und hohe Kraftfuttergaben bedeuten weniger Kauschläge, weniger Speichel, weniger Bicarbonate. Das führt zu einer Absenkung des pH-Wertes im Magen, er bleibt im sauren Bereich und dadurch können die serösen Häute des Magens angegriffen werden. Das Pferd kann einer Übersäuerung nur durch Aufnahme ausreichender Heu– oder Strohgaben entkommen. Hat das Tier keine Möglichkeit die Übersäuerung abzupuffern, z.B., weil es in einer mit Spänen eingestreuten Boxe verbleiben muß oder stundenlang im Auslauf ohne Heu– oder Strohangebot steht, verursacht die Magenübersäuerung Sodbrennen, das zu Magengeschwüren und zum Koppen führt.
Sehr viele Pferde leiden unter Magengeschwüren und versuchen die Übersäuerung durch Koppen loszuwerden. Vor allem hoch im Blut stehende Pferde und Hochleistungspferde mit einem dünnen Nervenkostüm erkranken häufig daran. Fohlen beginnen zu Koppen, wenn sie zu mastig mit Kraftfutter aufgezogen werden und zu wenig Bewegung oder / und zu wenig Spielgefährten haben. Insgesamt sollen etwa schon 70 % aller Hochleistungspferde, incl. Fohlen, unter Magengeschwüren im Laufe ihres Lebens erkrankt sein.
Vor allem Gerste und Mais sind für den Dünndarm des Pferdes ungeeignete Futtermittel und verbleiben wegen ihres hohen Stärkegehaltes zu lange im Magen, wodurch zu hohe Anteile schlecht vorverdauten Futters in den Dünndarm gelangen und diesen außerordentlich belasten. Hafer dagegen hat weniger schwerverdauliche Stärke, dafür hochverdauliche Aminosäuren, die alle vom Pferd benötigt und verstoffwechselt werden. Das ist der Vorteil des alten bewährten Futtermittels Hafer. Nun werden einige Anhänger der Gerstenfütterung einwenden, dass Gerste im Orient schon lange als Pferdefutter eingesetzt wurde. Damals waren jedoch die Mehlkörper bedeutend kleiner und weniger stärkehaltig als die der heutigen modernen Getreidezucht, die auf Ertrag und Energieleistung gezüchtet werden.
Zurück zum Pferd, das auf Spänen steht oder stundenlang keinen Bissen Raufutter aufnehmen kann. Nach ca. 3 Stunden „Leerverdauung“ beginnt der Magen mit der Eigenverdauung. Da das Pferd von Natur aus ständig Nahrung im langsamen Grasen aufnehmen würde (sollte), ist der Magen so konzipiert, dass ständig Magensäure produziert wird. Das macht in der Natur Sinn. Es werden ständig kleine Mengen Futters aufgenommen, die ständig verdaut werden und somit während der Flucht (das Pferd ist ein Beutetier) das schnelle Weglaufen nicht behindern. (Der Mensch als Allesfresser und Jäger kann tagelang hungern, ohne dass sich der Magen selbst verdaut, was entwicklungsgeschichtlich auch Sinn macht. Die Magengeschwüre des Menschen hängen mit seiner ungesunden „Futterzusammenstellung“ und der zu langen „Boxenhaft“, sprich Bewegungsmangel und Stress zusammen).
Durch die „Leerverdauung“ werden die Magenwände angegriffen und die Darmschleimhäute von den Verdauungsenzymen beschädigt. Ein Pferd darf nie länger als 3 Stunden ohne Futter stehen!!! Es muß zwischendurch kleine Mengen Raufutter aufknabbern können um Magenschmerzen zu entgehen. Heunetze bieten eine gute Beschäftigungsmöglichkeit im Winter auf den Paddocks, außerdem wirken sie als gute Freßbremse. Vielen Kolikern kann damit geholfen werden.
Wie kann einem Pferd mit Verdauungsproblemen geholfen werden?
1. Durch Endoskopie. Der Tierarzt kann eine Gastritis, Magenschleimhautentzündung, erkennen. Dieser Aufwand sollte jedoch nur bei offensichtlich kranken Pferden betrieben werden.
2. Bei Verdacht gilt es Ursachen abzustellen und basische Mittel zu füttern.
Ursachen können u. a. außer der Fütterung Streßfaktoren sein, wie rangniedrig in der Herde, keine Ausruhmöglichkeit im Gruppenlaufstall, zu enge Verhältnisse im Laufstall, zu enge Boxen, zu wenig Raufutter, Turnierstress, häufiger Boxen- oder Stallwechsel, keine feste Herde, Ärger, Angst, Agression, Parasiten (Magendasseln), Übersäuerung. Die Patienten haben häufig die Augen halb geschlossen, der Kopf wird nach vorn gestreckt, die Lippen sind zusammengepresst und sie zeigen ein Schmerzgesicht. Der Tierarzt kann Antracida verschreiben, z.B. Gastro-Guard, Pronutrin oder verschiedene Zusatzfuttermittel, Phytotherapeutika u. a. die man über verschiedene Anbieter beziehen kann. Doch der Grundsatz, an der Haltung und Fütterung etwas zu ändern bleibt, sonst kann die beste Therapie nicht helfen. Häufiges Füttern in kleinen Portionen (der Magen des Pferdes ist klein, er fasst nur ca. 15 l beim Warmblut), freie Bewegung, Sozialkontakte, nicht überforderndes Training und ein gutes Reiter-Pferd-Verhältnis ist die Grundlage zur Genesung.
Osteopathisch können Verspannungen im Zwerchfell und im Bauchbereich gelöst werden. Die Akupunktur kann Schmerzen stillen und Entzündungen stoppen. Die Bioresonanz kann alle Therapien unterstützen. Über Homöopathie kann das passende Kostitutionsmittel gefunden werden um dem kranken Pferd innerlich aus seinem Problem herauszuhelfen, ebenso können Bachblüten helfen. Das richtige magenspezifische Homöopathika kann den Energiefluss des Magens wieder in Ordnung bringen.
Subluxierte Rückenwirbel können Magenschmerzen auslösen, bzw. können Magenstörungen die Rückenwirbel angreifen. Der TH 11 kann für einen aufgeblähten Bauch und Magenprobleme stehen, der TH 12 für Gastrititis, Koppen und Kolik, der Lendenwirbel 3 für Darmprobleme, Kolik und Durchfall. „Blockaden der Wirbelsäule sind häufig anzutreffen, die Ursachen sind vielfältig. Jede Veränderung der Statik, jede Verletzung an einem peripheren Gelenk, Überlastungen, Reitfehler, schlecht passende Sättel, Stoffwechselprobleme, Haltungsfehler und Bewegungsmangel bewirken Probleme der Wirbelsäule. Des weiteren können Irritationen der WS vegetative Störungen, z. B. Veränderung der Magensäureproduktion… unterhalten.“ (Zitat : B.Bäcker/W.Salomon, Kraniosakrale Therapien bei Pferden, Sonntag-Verlag 2003).
Was geht noch?
Verspannte Pferde brauchen eine Entgiftungskur der Organe Niere, Leber, Milz und Lymphe. Diese erfolgt auf homöopathischem Wege oder phytotherapeutisch, evtl. dazu Zusatzfutter, die Silizium-Verbindungen enthalten. Daran binden sich freigesetzte Toxine im Darm um zur schnelleren Ausscheidung zu gelangen. Außerdem puffern diese überschüssige Magensäure ab. Es gibt auch Koliker, die trotz bester Haltung erkrankt sind. Hier ist es besonders schwer, die Ursachen zu finden.
